Die letzten Tage in Sambia sind angebrochen und es heißt so langsam Abschied nehmen von Sambia. Ich kann auf tolle Erfahrungen zurückblicken in einem Land, das noch viel Entwicklungspotenzial hat, das es bald hoffentlich entdeckt. Die Leute waren hier sehr freundlich und es war mal eine ganz neue Erfahrung neben den ganzen überlaufenden Tourismusländern auch mal ein Land kennengelernt zu haben, das nicht so überlaufen ist. In Lusaka treffe ich noch mal auf eine alte Bekannte, Anna. Sie erzählt mir von ihren aufregenden letzten Tagen, da sie Sambia verlassen musste.
Ich lerne aber noch neue Leute kennen, wie z. B. Annika und Philip, beide aus Deutschland. Zu viert verbringen wir dann noch einige Zeit zusammen, kochen, essen gemeinsam und quatschen blödes Zeug. Mit Philip sollte ich über Lusaka hinaus noch mehr Zeit verbringen. Ich lerne ihn kennen, als er sich direkt einem Malariatest unterzieht, der zum Glück negativ ausfällt. Normal hätte er den Tazara von freitags genommen, musste dann noch mal umdisponieren und war somit im gleichen Zug und im gleichen Abteil mit mir unterwegs. Bevor es dazu aber kam, hatte ich mir noch vorgenommen den Karibadamm anzuschauen, durch den einst der größte Stausee der Welt entstand. Mir wurde gesagt, es dauert nur 2 Stunden bis dorthin, es wurde eine Tagesreise daraus. Der Staudamm war echt beeindruckend, doch die Strapazen dann doch nicht ganz wert. Vielleicht eine erste Enttäuschung auf der Reise aber man kann auch mal daneben liegen.
Zugticket, Busticket und Visa für Tansania – Check
Am 21.09 beginnen dann die letzten Vorbereitungen mit dem Kauf eines Bustickets, Kauf des Zugtickets und ich lasse mir sicherheitshalber auch schon mal ein 90 Tage Visa für Tansania ausstellen. Was man hat, das hat man. Ich gehe ein letztes Mal zum Kabwata Cultural Village, um mich von Chuunga zu verabschieden, der aber leider schon los ist, da er sich um einen Spezialauftrag von Anna kümmert. Schade, schade. Die letzten Souvenirs werden auch noch schnell gekauft.
Mit dem Bus nach Kapiri Mphosi
8:30 Uhr startet dann am nächsten Morgen unser Bus nach Kapiri Mphosi. Während der Fahrt preist ein Vertreter, tolle Produkte, wie Brain Master oder Seven Wonder an, die einen nichts mehr vergessen lassen bzw. den Körper komplett entgiften. Ich frage mich, ob der Verkäufer je eins seiner Produkte selbst probiert hat, vermutlich nicht. Außerdem hat ein kleiner Mann unsere Aufmerksamkeit, mit dem wir immer mal spielen. 12:30 Uhr erreichen wir dann unser Ziel und es geht auf zum Bahnhof.
Das Bahnhofsgebäude hätte auch gut in Russland stehen können und hatte eigentlich nichts zu bieten. Es war einfach eine große Wartehalle. So mussten Philip und ich dann doch noch mal in die Stadt, um Besorgungen für die Zugfahrt machen zu können. Wir hatten aber ja noch genug Zeit. Also deckten wir uns mit reichlich Wasser und ein bisschen was zu Essen ein, dass wir dann später noch unter den Leuten verteilten, da wir nicht alles essen konnten und seien wir ehrlich ein kulinarischer Hochgenuss war es teilweise auch nicht.
Gespannt auf den Zug nach Tansania warten
Dann heißt es warten auf den Zug und warten und warten. In der Zwischenzeit waren auch ein französisches Pärchen und ein Engländer eingetroffen, die wir aus dem Hostel kannten. Antony sollte der Dritte im Bunde sein, der sich mit uns ein Abteil teilte. Die Franzosen waren so mutig und hatten die dritte Klasse gebucht, was ihnen aber keiner gesagt hatte, dass diese Klasse nicht bis Dar es Salaam durchfährt. So wurden sie dann später auf der Fahrt noch unsere Abteilnachbarn. 15 Uhr waren Boarding und gegen 16 Uhr trudelte der Zug dann auch mal endlich ein. Na toll schon am Anfang Verspätung, wo sollte das dann noch enden. Sollte mir ähnliches Schicksal ereignen, wie den Personen mit denen ich vorher gesprochen hatte? Diese hatten von Verspätungen von 17 Stunden bis zu vier Tagen gesprochen.
Alles Einsteigen – der TAZARA nach Tansania fährt gleich ab
Irgendwann setzt sich der TAZARA auf jeden Fall in Bewegung. Mit Philip erkunde ich dann erst mal ein bisschen den Zug, nachdem wir unser Abteil eingerichtet und alle Sachen verstaut haben. Auf dem Weg nach ganz hinten werden wir von Security und Polizei dumm angemacht, was wir denn hier machen. Ich wollte lediglich ein paar Fotos machen, was auch noch erlaubt wurde und dann wurden wir aber weggeschickt. So langsam bekam wir auch Hunger. Also schnell das Bordrestaurant aufsuchen. Essen uns trinken wurde nicht gerade zur leichtesten Aufgabe, wenn der Zugwaggon ständig am schaukeln, wackeln und springen ist.
Mein erstes Getränk landete dann auch zur Hälfte erfolgreich auf dem Boden und teilweise auf meinen Sachen. Das Essen war recht akzeptabel und wirklich preiswert. Für 1,5€ bekam man auf jeden Fall eine ordentliche Portion. Zur Auswahl standen Reis oder Nshima mit Rind, Hühnchen oder Fisch plus Gemüse. Ein anstrengender Tag ging dann langsam zu Ende. Man ist doch wieder viel gereist. Die Nacht war dann nicht wirklich berauschend, man musste sich doch erst mal an die Gegebenheiten gewöhnen. Ein wackelndes Abteil, eine Pritsche als Bett und ein kalter Luftzug, der durch das Zimmer zog.
Reges Treiben auf den Bahnhöfen – Obst, Gemüse und Getränke, für das leibliche Wohl ist gesorgt
So bin ich früh auf und bekommen noch teilweise den Sonnenaufgang mit, bis es dann zum ersten Stop kommt, den ich so richtig wahrnehme. Außerhalb des Zuges herrscht reges Treiben. Viele Passagiere steigen aus und ein und die Verkäufer bietet ihre Ware an, von Früchten, über Gemüse bis hin zu Getränken. Ein Ritual, was sich an jedem Bahnhof ereignen sollte.
Ein Hupen des Zuges deutete immer die Weiterfahrt an, doch konnte man sich nicht wirklich sicher sein, wie oft das geschieht und so kam ich zweimal in die Situation ein bisschen rennen zu müssen, um noch in den Zug zu gelangen, da dieser schon losgesollt war. Ein bisschen Aktion musste also auch sein. Man kam sich so ein bisschen vor wie in einem Film, wo die Leute noch im letzten Moment auf einen Zug aufspringen. Ganz so dramatisch war es bei uns natürlich nicht. Die Landschaft von Sambia ist leider teilweise dann doch etwas trist, was sicher auch der Trockenzeit zu verdanken ist.
Trotzdem wird es nicht langweilig und man winkt immer wieder kleinen Kindern zu, die an der Strecke stehen oder aus den Dörfern angelaufen kommen und uns zuwinken. Es macht uns mindestens genauso viel Spaß wie den kleinen Kids. Am nächsten Halt wagen wir uns dann mal nach vorne zur Lok, die ich dann auch mal kurz erklimme. An den Haltestellen geben wir den Leuten auch immer ein paar Sachen, die wir nicht mehr benötigen oder die ich extra mitgenommen habe aus dem Zug heraus oder übergeben sie direkt am Bahnsteig. Nicht jeder ist am Anfang zutraulich und man muss daran arbeiten, dass die Kinder näherkommen. Doch wenn sie merken, dass man nichts Böses im Schilde hat und ihnen was Gutes tun will, kommen sie doch näher und auf einmal wird die Menge größer, die alle etwas haben wollen.
Im Zug fühlt man sich zurückversetzt in die Vergangenheit
Ach ja, ich habe bis jetzt noch nicht so richtig ein Wort zum Zug verloren. Es war auf jeden Fall nicht das neuste Modell, was ich auch nicht erwartet habe. Würde ich schätzen müssen, würde ich vielleicht sagen, dass es gut ein Modell aus den 80er Jahren hätte sein können, dass bei uns heute sicher keine Zulassung mehr bekommen würde. Die Toiletten waren entweder Plumpsklos oder Kloschüsseln, auf denen man sich mit Sicherheit so einiges wegholt hätte, wenn man sich raufgesetzt hätte. Safety First wurde auf jeden Fall nicht besonders groß geschrieben und so lagen viele elektrische Kabel frei und für jeden zugänglich. Zudem hätte man bequem während der Fahrt die meisten der Zugtüren öffnen können. Das gehört aber zum Abenteuer dazu und es gibt sicher noch schlimmere Züge, die woanders in der Welt eingesetzt werden.
Wir kommen unaufhörlich der Grenze von Tansania in Tunduma näher. Das Abenteuer in Sambia endet. Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen. Ich hoffe nur, dass ich genauso tolle Erfahrungen im neuen Land machen kann, wie ich sie bisher in Sambia erlebt habe.