Am Abend vor meiner Abreise lerne ich meine Mitstreiter auf der Tour kennen. Es sind 3 Pärchen aus Alaska, die das Abenteuer in Afrika suchen. Zugegeben anfangs etwas skeptisch, da sie doch eine andere Generation sind, stellt sich schnell heraus, dass die 6 sehr gut drauf sind mit ihrenüber 60 Jahren. Vorne weg gesagt, es wird ein unvergessliches Erlebnis mit Kim, Ethel, Alex, Mary Ellen, Peggy, Alex und nicht zu vergessen unsere Guides CB und Carlos. Beide machen einen überragenden Job und verköstigen uns mit Essen und führen uns sicher durch den Sambesi. Auf einer Skala von eins bis zehn (zehn= sehr gut und eins=sehr schlecht) bekommt die Tour von mir eine 15. 😉
Start vom Zambesi Breezers – auf zur Kanusafari
Geplanter Start ist Sonntagmorgen um 10 Uhr vor dem Zambesi Breezers, was natürlich wieder nicht ganz funktioniert. Iso fährt uns alle dann mit einem Safari Jeep zu unserem Startpunkt. Wir fahren vorbei an einigen Dörfern, wo uns Kinder schreiende und wild winkend entgegenkommen. Viele Autos und vor allem Weiße kommen hier nicht vorbei. Weiter geht es vorbei an ellenlangen Plantagen und weiten Landschaften. Nach gut zwei Stunden haben wir unser Ziel erreicht und es heißt erst mal abladen und die Kanus ans Wasser bringen. Am Sambesi bauen wir dann unsere Stühle für das Mittagessen auf und warten auf deren Zubereitung. Auf einer nahe gelegenen Wiese zeigen sich die ersten Tiere. Ein paar Walzenschweine und Paviane tollen sich herum. Aus dem Wasser strecken die ersten beiden Flusspferde ihre Köpfe aus dem Wasser und gebe ihre Schreie zum Besten.
Die Tierwelt präsentiert sich schon bevor wir mit den Kanus im Wasser sind
Dann heißt es wie auf Knopfdruck „Manege frei für die Tiere“. Erst zeigen sich zaghaft ein paar Impalas, Buschböcke und Kudus. Da wir ganz ruhig sind, trauen die sich auch immer näher an uns ran. Bis sich auf einmal etwas größere Tiere ankündigen. Von links kommt als Erstes ein Babyelefant aus den Büschen, gefolgt von Mama und Papa. Ziel ist das Wasser, um hier sich ein wenig zu stärken. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein einzelner Wasserbüffel auf, der sich die Szenerie auch mal anschauen will. Bei ihm bleibt es aber bei einem Kurzauftritt. Die Elefanten ziehen inzwischen ein kleines Stück weiter zum Schlamm, um sich damit gegen lästige Insekten zu schützen und sicher auch ein bisschen zum Schutz vor der Sonne. Während der größte der Elefanten sich mit dem Rüssel den Schlamm um die Ohren haut, suhlen sich das Baby und seine Mutter regelrecht im Schlamm. Die Flusspferde so scheint es immer wieder, möchten durch Geräusche immer wieder auch mal die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Was für ein Auftakt in den ersten Tag und dabei sind wir noch nicht einmal im Wasser gewesen.
Die ersten 15 km auf dem Sambesi
Dann ist es auch für uns Zeit sich ein bisschen zu stärken, damit es endlich losgehen kann, wofür wir eigentlich hier sind, Kanu fahren auf dem Sambesi. Am ersten Tag steht nur eine kurze Tour auf dem Programm und ich bin froh, dass ich im Kanu von CB mit sitzen kann, da meine Erfahrung wohl für ein eigenes Kanu nicht wirklich ausreicht und ich so die anstehenden 145 km nie bewältigt hätte. Nach gut 15km haben wir unser Ziel, unsere erste Insel auf der wir übernachten erreicht. Die Sonne steht noch relativ hoch am Himmel und wir beginnen das erste Mal unsere Zelte aufzubauen. Eine Arbeit, die in den Tagen immer mehr zu Routine wird.
Wir betreten unsere erste Insel
Wir sind aber nicht alleine auf der Insel. Unser Lager schlagen wir auf der rechten Seite der Insel auf, doch vom Weiten sehen wir das auch noch 4 weitere Bewohner auf der anderen Seite der Insel sind. Es handelt sich hierbei um Elefanten. Ein Teil der Gruppe nähert sich den Elefanten etwas an. Wir bleiben aber auf sicherer Distanz. Rechts in den Büschen kann ich zumindest auch noch ein paar Wasserbüffel erspähen. Irgendwann ruft mich CB zurück, um den Elefanten Platz für ihre Wanderung zu geben. Auf die Frage hin, ob die Elefanten auch durchs Lager gehen könnten, antwortet CB „Nein. Die Elefanten erkennen das wir hier sind und machen dann einen Bogen um das Lager.“ In zwischen geht die Sonne immer weiter unter und wir erleben einen herrlichen Sonnenuntergang. Die Elefanten sind in zwischen schon sehr nah gekommen und ich frage mich, wann machen sie den Bogen um das Lager? Die Antwort lautet, sie machen ihn nicht wirklich.
Elefanten crashen fast in unser Camp
Während ich noch eine Geschichte erzähle, kommt von links ein „Quiet, quiet“. Die Elefanten sind jetzt vielleicht noch 15-20 Meter von unserem Lager entfernt und einer der größeren Dickhäuter überlegt sich ernsthaft unserem Camp einen Besuch abzustatten. CB brüllt nur „Go back“. Es scheint zu helfen, denn der Elefanten weicht erst mal zurück. Da mittlerweile auch die anderen Dickhäuter angekommen sind, sollen wir als nächsten Schritt uns ganz klein machen und in die Hocke gehen, soll heißen, so unauffällig wie möglich verhalten. Die Elefanten stillen ihren Hunger zumindest teilweise an den naheliegenden Bäumen und Gräsern. Nachdem der eine Elefant sich noch zweimal überlegt hat, in unser Lager zu kommen, ziehen sie dann doch letztendlich friedlich weiter.
Wir messen jetzt die Distanz nach, wie weit die Elefanten wirklich von uns entfernt waren und kommen auf 8-10 Meter Abstand zu unserem Zelt und somit noch mal vielleicht weitere 3-4 Meter zu uns. Was für eine Erfahrung. So nah bin ich diesen beeindruckenden Tieren noch nie gewesen und das in freier Wildbahn. Jetzt können wir auch endlich unser Abendessen genießen. Thema ist natürlich dabei auch das gerade erlebte Ereignis. Die erste Nacht verläuft dann eher mit ein bisschen weniger Schlaf, da ich immer wieder von Geräuschen geweckt werde. Man muss sich erst mal an all das hier gewöhnen. Dennoch bekomme ich nicht mit, wie die Elefanten in der Nacht noch einmal wiederkommen, wie es CB prophezeit hatte. Sie wurden durch uns gestört und konnten so nicht in Ruhe ihr Essen vollenden. Auch nicht wahrgenommen habe ich die Hippos, die wohl 5 Meter an meinem Zelt vorbeigelaufen sind. Wer weiß, ob ich sonst noch einmal ein Auge zugemacht hätte in dieser Nacht. Ich habe mich aber in keiner Nacht unsicher gefühlt, da CB und Carlos abwechselnd die ganze Nacht wache gehalten haben und so aufgepasst haben, dass uns nichts passieren kann.
Tag 2 – Die Kanus laufen mit Wasser voll – Notstopp muss eingelegt werden
Auf sind wir dann noch vor dem Sonnenaufgang, der den Himmel in einem schönen Morgenrot und dann orange erstrahlen lässt. Da sind unsere beiden Guides aber schon längst dabei das Frühstück für Tag 2 vorzubereiten. Es gibt englisches Frühstück mit Ei, Würstchen, Toast, Bohnen und Tee. Ein Frühstück, was uns in gewisser Variation jeden morgen erwartet. Noch vor dem Frühstück heißt es aber das Camp so weit wie möglich abbauen, da es danach direkt weitergehen soll.
Es stehen 30 km paddeln an. Nicht die längste Distanz, die wir auf dieser Tour zurücklegen werden. Wie schon am ersten Tag ist es äußerst windig und der „Wellengang“ schon etwas höher als den Tag davor. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in unsere Kanus immer mal wieder eine Ladung Wasser schwappt. In einem unserer Boote ist es sogar so heftig, dass wir einen Zwischenstopp einlegen müssen, damit dieses nicht samt Insassen untergeht. Da bleibt auch nicht viel Zeit sich einen schönen und geeigneten Landeplatz auszusuchen. Der nächste Strand muss herhalten, auch wenn hier noch kurz zuvor sich ein Krokodil gesonnt hat. Außerdem empfängt uns eine Horde von Beeeatern in den Bäumen.
Erster Spaziergang durch den Nationalpark
Von unserem Landungsort ist die Station zur Begleichung der Nationalparkgebühr nicht weit entfernt, so dass wir uns entschließen, die restlichen Meter zu Fuß zurückzulegen. Dort angekommen treffen wir auf einen Neuling in seinem Job, der uns nicht abrechnen kann, so dass wir auf die entsprechende Person warten müssen. Die Zeit können wir aber zumindest damit vertreiben, dass wir ein wenig durch den Nationalpark spazieren und CB erklärt uns ein bisschen über die Natur- und Tierwelt. Auf dem Weg zurück zu dem Büro kommt uns schon der diensthabende Kontrolleur entgegen. Sein Auftritt könnte auch aus einem schlechten Film stammen. Bewaffnet mit einem Schnellfeuergewehr und vielleicht auch nicht gerade begeistert, dass wir durch den Park wanderten, nimmt er uns in empfang. Bei der Berechnung der Gebühr versucht er uns dann doch deutlich zu viel Geld abzunehmen. Doch Gott sei Dank passt CB auf und kennt auch ein bisschen die Preise, so dass es bei den 100 Dollar bleibt. Beim Ausstellen der Bescheinigung lässt der gute Mann sich so viel Zeit, dass wir schon mal zu unseren Booten zurückgehen und ihm mitteilen, dass wir das Blatt Papier am Ufer entgegennehmen, wenn wir dran vorbei paddeln. Als wir am ausgemachten Punkt ankommen, ist nichts von dem Beamten zu sehen. Nun gut heißt es also ohne den Wisch klarkommen und hoffen, dass es nicht zu Problemen kommt.
Krokodile, Wasserbüffel und viele Tiere mehr – Attacke von zwei Flusspferden inklusive
Auf unserer weiteren Fahrt sehen wir jetzt auch noch weitere Krokodile und jede Menge Hippos. Im Vergleich zum Vortag sind diese jetzt aber nicht nur im Wasser, sondern auch an Land anzutreffen, einem Flusspferd kommen wir sogar richtig nah, bevor es ins Wasser rennt. Es entstehen auf jeden Fall ein paar schöne Schnappschüsse. Bei unserer Mittagspause lässt sich eine Herde Wasserbüffel blicken und dann kommt ein Moment, den man wohl eher selten so zu sehen bekommt. Ein Flusspferd ist gerade im Begriff ins Wasser zu gehen, da schießt plötzlich aus dem Nichts ein anderes Flusspferd aus dem Wasser und geht zur Attacke über. Einfach nur phänomenal. Mit so was hatte ich nun wirklich nicht gerechnet und planen kann man erst recht nicht.
Es schien sowieso ein Tag zu sein, an dem uns die Hippos überraschten, den bei der Weiterfahrt hörten wir von hinten auf einmal ein „Go, go, go!“. Wir paddeln jetzt in einer hohen Schlagzahl, da sich hinter dem letzten Boot ein Flusspferd aus dem Wasser erhoben hat. Als wäre das nicht schon genug Aktion gewesen, kommt urplötzlich, später am Tag, ein Flusspferd an uns vorbeigeschossen. Wir konnten diese vorher auf dem Land nicht ausmachen. Ein paar Meter vor uns springt es dann ins Wasser. Ein Moment, wo wir erst mal den Atem anhalten. Es ist uns aber Gott sei Dank nichts passiert. Es ist wieder ein Tag voller Ereignisse. Was wir so nach einem fantastischen ersten Tag nicht erwartet haben.
Kann es noch besser werden?
Selbst wäre ich mit Erwartungen in die Safari gegangen, diese wären wohl schon nach den ersten beiden Tagen übertroffen worden. Heute war es selbst für unseren Guide alles ein bisschen zu viel Aktion, wie er uns später gesteht. Tag 2 lässt uns fast 300 Flusspferde sehen, einige Krokodile und schöne Landschaften. An unserm Zielort für diesen Tag erleben wir noch einen wundervollen Sonnenuntergang. Die Nacht selber ist nicht weniger ruhig als die erste Nacht, und auch wenn ich aus meinem Zelt heraus wieder keine Tiere sehe, so war doch sehr deutlich zu hören, dass größere Tiere (Elefanten oder Flusspferde) ganz in der Nähe von unserem Zelten grasten.
Die folgenden Tage gibt es dann in einem neuen Bericht. Irgendwie es ist doch recht viel geworden aber ich habe einfach eine Menge erlebt.