Es ist soweit, die Schildkröten warten schon (23.10-29.10)

Traumhafter Strand, besser geht es eigentlich nicht.
Traumhafter Strand, besser geht es eigentlich nicht.

Bevor es nach Nungwi geht, heißt es noch eine letzte Runde im Ozean zu schwimmen und die traumhafte Umgebung von Jambiani zu genießen. Eins steht fest, ich bin nicht das letzte Mal hier gewesen und kehre wieder. Um 14 Uhr heißt es dann aber endlich Richtung Schildkrötenprojekt aufbrechen. Ich bin gespannt und voller Vorfreude, was mich da so alles erwartet. Was für Leute sind mit mir da? Können die hohen Erwartungen erfüllt werden? Was ist, wenn es mir doch nicht gefällt? All das werde ich im nächsten Monat herausfinden.

Die Fahrtzeit beträgt ca. 2 Stunden, die ich teilweise wach, teilweise schlafend verbringe. Es bieten sich zahlreiche Palmen am Wegesrand dar und ab und zu erscheint ein Schild mit dem Hinweis „Vorsicht Colobus Monkeys crossing“. Nach wirklich ziemlich exakt 2 Stunden Fahrt erreichen wir dann unser Ziel, nachdem der Fahrer sich erst mal ein bisschen durchfragen musste. Angekommen muss ich feststellen, dass mich irgendwie schon jeder kennt, da meine Ankunft anscheinend schon zum Running Gag geworden ist. Jeder weiß von meiner Ankunft, doch keiner so richtig, wann ich ankomme. So kursierte die Frage wohl durch das Aquarium „Wann kommt eigentlich Ralph?“ Die Konfusion ist sicherlich auch der Wahl verschuldet, da ich eigentlich erst am 25.10 eintreffen sollte.

Erster Rundgang durch das Schildkröten-Projekt und jede Menge neue Leute

Ich komme zu einem taktisch guten Zeitpunkt an, da die Arbeit des heutigen Tages zum einen schon erledigt ist und auch ein Wochenende ansteht, wo wir nicht arbeiten müssen. Ich bekomme eine erste Einführung von Sule, der mich durch das Aquarium führt und mir ein paar grobe Details an die Hand gibt. Jens von Anfang an sympathisch, na klar er ist Kölner, gibt mir dann noch mal eine genauere Einführung. Den Rest der Zeit kann ich nutzen, um den Rest der Volunteere kennenzulernen und mir einen ersten Eindruck von der Umgebung zu machen. Ich besitze auch, zumindest vorübergehend, den Luxus eines Einzelzimmer. Nun gut nicht ganz. Ich teile mir den Raum mit Holzi dem Holzwurm. Zeitweise habe ich das Gefühl, dass er den Tisch, in dem er wohnt, in einem Stück verschlingen möchte. Abends steht die erste Aktion an, die ich mir aber erst mal von außen ansehe. Wer will bekommt von Sada, der Köchin, beigebracht, wie man Chapati herstellt. LECKER.

Wahlen beherrschendes Thema im Land und Lagerfeuer am Strand

Die Wahlen sind auf jeden Fall auch beim Projekt das alles bestimmende Thema. Alle haben Angst, dass die Situation eskaliert und keiner weiß so richtig was passiert. Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Sache, zumindest von der Seite wie wir sie erleben, viel mehr hochgepusht wurde, als es hätte sein müssen. Dennoch gab es hier und da die eine oder andere Situation, die wenn man in der Nähe gewesen wäre, sicher nicht so problemlos abgelaufen wäre, wie es sich für uns dann eher dargestellt hat.

Am Samstagabend lerne ich dann das Langi Langi kennen. Ein Restaurant, wo ich dann nicht das letzte Mal gewesen bin. Ich ziehe mit Lia, Vio und Janine los. Am nächsten Tag ruft dann, wollen dann die schmutzige Sachen wieder einer Reinigung unterzogen werden. Natürlich ist wieder Handwäsche angesagt. Man gewöhnt sich so langsam daran aber wirklich nur langsam. 🙂 Zum Sonnenuntergang zieht es dann Vio, Janine und mich raus Richtung Meer, da gerade Ebbe herrscht und wo auch mein aktuelles Profilbild von rallearoundtheworld.de (Jetzt der Vorgänger vom Strandbild) entstanden ist. Wenig später am Abend gibt es Lagerfeuer und Stockbrot. Ich fühle mich irgendwie in meine Kindheit/Jugend versetzt. Alles im allem aber kein schlechter Einstand würde ich mal behaupten.

Ein bisschen was Wissenswertes über Schildkröten

Unser ältester Bewohner des Projekts
Unser ältester Bewohner des Projekts

Bevor ich zum ersten Arbeitstag komme hier mal ein paar Infos zum Projekt. Es wurde 1993 gegründet und zwar vom immer noch aktiven Babacazar. Grund war und ist immer noch das Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht sind, da viele Leute die Eier gewildert haben oder größere Schildkröten wegen ihres Panzers oder zum Essen verkauft haben. Mittlerweile ist es gesetzlich festgelegt das Schildkröten, die den Fischern ins Netz gehen zu Projekten, wie dem was ich unterstütze, gebracht werden müssen und auch die Eier nicht mehr gewildert werden dürfen, was leider immer noch passiert.

Die älteste Schildkröte ist so alt wie dass Projekt selber und ist schon ein ganz schöner Brocken, den eine Person alleine nicht aus der Lagune bekommen würde. Die Lagune ist übrigens eine natürliche Lagune und ist mit dem Ozean verbunden, so dass wir hier auch immer bei unseren Tätigkeiten auf die Gezeiten achten müssen. Neben Green Turtles beherbergt dass Projekt auch Loggerhead und Hawksbill Schildkröten, die im Gegensatz zu den Green Turtles Fleisch als Nahrung bevorzugen. Interessanterweise ist die Green Turtle bis zu einem gewissen Lebensabschnitt, so ungefähr bis zum ersten Lebensjahr auch Fleischfresser und mutiert dann zum Vegetarier.

Hauptsächlich befinden sich Green Turtles in unsere Obhut. Die fleischfressenden Schildkröten müssen wir auch in einem Käfig halten. Nicht weil Gefahr besteht, dass sie die anderen Schildkröten anfressen, sonder einfach zur Selbsterhaltung, da sonst die fleischfressenden Fische den Schildkröten alles wegessen würden. Ähnlich verhält es sich bei den kleinen Green Turtles, die ja wie gesagt noch auf Fleisch stehen. Interessant zu wissen ist noch, dass die Schildkröten bis zu 120 Jahre alt und 150 kg schwer werden können. Da ich später auch als Guide fungiert habe, stehe ich für weitere Ausführung gerne zur Verfügung. Ich denke, das sollte aber erst mal reichen.

Der erste Arbeitstags kann kommen

Unser gemeinsames Strandprojekt in der Freizeit
Unser gemeinsames Strandprojekt in der Freizeit

Montag steht dann tatsächlich der erste Arbeitstag an. Es geht um 7:30 Uhr mit einem Wasserwechsel los. Eine Prozedur, die uns jeden morgen bevorsteht, zumindest an den Wochentagen. Diese Aufgabe ist mal mehr oder weniger gut besucht. Es kristallisiert sich zumindest über meine Zeit eine feste Crew heraus, die immer mal wieder durch „Überraschungsgäste“ ergänzt wird. Nach einer guten halben Stunde ist der erste Teil des Arbeitsalltags hinter mir und es gibt Frühstück, welches aus Obst und immer wechselnden Beilagen besteht (Fettecken (wie wir sie nenne), Weck und andren süßen Backwaren).

Danach machen sich ein paar von uns zum Zeitvertreib daran eine „Sandburg“ in Form einer Schildkröte zu basteln. Hier gewinnen wir schnell die Aufmerksamkeit von Kindern aus dem Dorf, die sich an unserem Projekt beteiligen. Leider spült die Flut dann irgendwann unser Projekt wieder weg. Nach dem Mittagessen steht dann der zweite Wasserwechsel an. Hier lerne ich dann auch die medizinische Verpflegung der Schilds kennen, die je nach Blessur, behandelt werden müssen. Darunter zählen Augeninfektionen und Verletzungen an Haut und Flossen, die u. a. dadurch entstehen, dass sich die Schildkröten auch gerne schon mal selber anfressen.

Abends wird dann eine Runde Beachvolleyball gespielt, man will ja nicht außer Form kommen. Es hat aber zugegebenermaßen schon mal besser geklappt. Ich hoffe meine alte Gruppe, lässt mich noch mitspielen, nach meiner Wiederkehr. 😉 Den Abend vertreiben wir uns viel mit Karten spielen oder auch quatschen. Die Jüngeren unter uns, ich habe den Altersschnitt doch etwas angehoben, sind dahin gehend öfters unter der Woche schon mal auf Party.

Einleben ins Projekt – Thema Wahlen verflacht

Der nächste Morgen verläuft erst mal „Routine“ mäßig ab, wenn man schon von Routine sprechen kann. Auf einem der Tische überraschen uns dann riesige Muschel mit Schnecken, die alles ein bisschen Vollschleimen. Am Strand befinden sich gegen Abend auch immer einige Akrobaten, die ihre Übungen präsentieren. Sozusagen eine gratis Vorstellung und einige der Typen haben es echt drauf. Am Abend schwingt dann Juma meistens den Kochlöffel für die Lokals. Juma wächst einem über die Zeit auch immer mehr ans Herz, da er sich wirklich extrem für das Projekt engagiert, immer 100% gibt und sich auch total mit dem Projekt identifiziert. Manche können sich auf jeden Fall eine Scheibe von ihm abschneiden.

Die Wahlen spielen zwar die Tage immer noch eine Rolle, aber es ist ruhig geworden, da in unsere Gegend nicht wirklich viel passiert Gott sei Dank. Dennoch warten alle natürlich gespannt auf den Ausgang der Wahlen. Man kann die Wahlen keinstenfalls mit unseren Wahlen vergleich. Hier wird mit allen Tricks versucht, die Wahl zu manipulieren und obwohl die Stimmen mittlerweile am Ort der Abgabe ausgezählt werden, kommt es immer noch zu Zwischenfällen. Manche Menschen sind und bleiben halt bestechlich.

Total Care für die Schildkröten – Wiegen, messen, putzen und noch mehr

Pflege der Schildkröten ist natürlich auch wichtig
Pflege der Schildkröten ist natürlich auch wichtig

Der Mittwoch ist mit Abstand der härteste Arbeitstag der Arbeitswoche. Hier werden neben den täglichen Wasserwechseln auch die Schildkröten gemessen gewogen und allesamt geputzt. Zumindest was die kleinen Schildis betrifft, die dieses Jahr geschlüpft sind. Am Panzer erkennen wir, ob die Schildkröten Standard oder nicht Standard sind. Das können wir am Zählen der Panzerplatten feststellen. Außerdem halten wir fest, welche Krankheiten, die Schildkröten haben. Danach werden sie gewogen und vermessen. Dies geschieht um die Entwicklung, der Schildkröten festzuhalten, ob diese größer und schwerer werden und vor allem auch, ob sich bei den Krankheiten eine Besserung einstellt.

Außerdem haben wir neue Verstärkung aus der Schweiz bekommen. Drei Schweizer Schwestern geben sich, die Ehre und bringen ordentlich Schwung mit. Was ich nur als positiv bezeichnen kann. War das Aquarium doch zu 99% in Deutscher Hand, was die Volunteers angeht, ist der Schweizer Anteil damit ordentlich gestiegen. Nach dem Mittagessen, wird dann die zweite Lagune angegangen, die schon etwas größere Schildkröten enthält. Hier heißt es teilweise bis zu den Knien im Schlamm stehen. Was tut man aber nicht alles, um für das Wohl der Schildkröten zu sorgen. 🙂

Die weiteren Tage der Woche gibt es in einem neuen Bericht.

Schlafen am Strand – „Water is coming! Water is coming!“

Schlafen am Strand
Schlafen am Strand

Update: Wie konnte ich das nur vergessen. Wir haben natürlich auch eine Nacht am Strand verbracht, sprich dort übernachtet. Insgesamt haben sich sieben Unerschütterliche gefunden. Bewaffnet mit Kissen, Bettlaken und manche mit Liegen, geht es an den Strand. Wir wählen einen recht hohen Punkt zur Übernachtung, da wir nicht sicher sind, wie weit die Flut nach oben kommt und wir wollen nicht von dieser überrascht werden und komplett nass aufwachen. Die Nacht schlafen wir manche mehr, manche weniger gut. Das liegt zum einem daran, dass der Sand doch nicht der bequemste Untergrund zum schlafen ist und zum anderen, haben wir doch immer mal wieder die Flut im Kopf.

Irgendwann heißt es dann von links „Water is coming. Water is coming.“ Wir werden alle wach, wenn wir es nicht schon sind, und ziehen sicherheitshalber noch ein Stück weiter nach oben. Wie sich am Morgen rausstellte unnötigerweise, da wir es auf unserem alten Platz, so grade nicht nass geworden wären aber sicher ist sicher. Ein cooles Erlebnis, so unter freiem Himmel zu schlafen und die Soldaten, die abends an uns vorbeizogen haben uns nur blöd angeschaut. Das war uns aber egal. Am Morgen waren wir dann auch wieder von zahlreichen Artisten umzingelt, die bereits ihre Sportübungen ausführten. Jeder von uns war aber glaub ich die nächste Nacht froh wieder im eigenen Bett schlafen zu können.

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