Auf dem Weg in die Provinz Darien

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Am nächsten Morgen holt mich Isaac Pizarro an meinem Hostel ab. Es geht in die Provinz namens Darien. Diese liegt direkt an der Grenze zu Kolumbien und hat eine Fläche von 11.091qkm. Unvorstellbar, es leben nur 4 Einwohner/qkm. Um einen Vergleich zu haben, in Berlin sind es fast 4000 Einwohner auf 1 Quadratkilometer. Als Unterkunft in Panama City hatte ich gleich wieder das Magnolia Inn in Casio Viejo gewählt, da es mir sehr gut gefallen hatte. Außerdem warum was anderes ausprobieren für nur eine Nacht. Wie auch für San Blas, packte ich das Nötigste zusammen. Gegen neun Uhr ging es dann los Richtung Albrook mit dem Taxi. Dort angekommen, setzten wir uns erst mal in den Wartesaal, nachdem Isaac abgeklärt hatte, wann unser Bus fährt. Er verabschiedete sich dann noch kurz für ein Frühstück. Zeit für mich noch mal zu checken, ob ich auch alles dabei habe. Fuck, wo ist denn jetzt der Reisepass. Schnell durchstöbere ich noch mal alle meine Sachen. Kein Reisepass. So ein Mist, dieser muss also noch im Hostel liegen. Also schnapp ich mir meine Sachen und gucke, ob ich Isaac irgendwo finde. Zu weit möchte ich mich aber auch nicht vom Wartesaal entfernen. Irgendwann 20 Minuten oder so vor der Abfahrt kommt er im gemütlichen Tempo wieder und ich erkläre ihm die Situation. Es hilft nichts, ich muss zurück zum Hostel und meinen Reisepass holen. Ich möchte nicht riskieren, dass wir vor dem Eingang des Nationalparks stehen und ich wegen der fehlenden Dokumente nicht reingelassen werde und wer weiß, was mir dann vielleicht sonst noch blüht, wenn ich ohne gültige Dokumente unterwegs bin. Nach zähen Verhandlungen mit meinem Taxifahrer fährt er mich letzten Endes für 10$ insgesamt hin und zurück. Am Anfang wollte er das Doppelte haben und am Ende der Fahrt behauptete er auch felsenfest, dass wir 15$ ausgemacht haben, die er von mir aber nicht bekommt. Mit dem Reisepass im Gepäck geht es dann wieder zum Wartesaal, wo ich auf Isaac treffe, so dachte ich zumindest. Denn von ihm, so wie meinem Gepäck, das ich da gelassen hatte, war keine Spur. Haben mich die vielen guten Erfahrungen zu leichtsinnig und gutgläubig gemacht, dass ich einem Fremden einfach meine Sachen überlasse? Zum Glück nicht. Denn ich werde irgendwann von einem Busfahrer angesprochen, ich soll mich doch schon mal in den Bus setzen und in diesem Bus war dann auch mein Gepäck. Isaac hat es einfach dort schon mal einlagern lassen und war anscheinend noch im Busterminal unterwegs. Ich setzte mich schon mal in den Bus. Der dann auch wenige Minuten später losfährt. Ohne Isaac. Verkorkster kann der Start doch eigentlich nicht laufen. Fehlt nur noch das wir einen Unfall mit dem Bus haben oder überfallen werden. Beides passiert Gott sei Dank nicht. Ich versuche, dem Busfahrer irgendwie klarzumachen, dass noch eine Person fehlt. Von irgendwoher kommt dann Isaac auch angelaufen und schafft es doch noch in den Bus. Ohne ihn wäre ich nämlich auch aufgeschmissen gewesen.

Es steht uns eine lange Busfahrt bevor, in der wir erst abends in unserem Zielort ankommen. Noch sind wir aber nicht im Regenwald angekommen. Der kleine Ort heißt El Real und hier verirren sich nicht wirklich viele Touristen hin. Von diesem Ort hätte ich ohne meine Tour nie etwas gehört. Vom Bus aus nehmen wir Kurs auf unser Hotel. Was ich hier für meine 20$ geboten bekomme, ist nicht wirklich beeindruckend. Zwei Betten, einen kleinen Fernseher, eine Klimaanlage, die schön ausläuft, weswegen die Wahl der Betten nicht so schwer fiel und ein eigenes Bad. Alles recht einfach gehalten, sehr einfach. Für eine Nacht passt das aber alles und ich will nicht meckern. Immerhin penne ich in der besten Unterkunft des Ortes. 🙂 Die zweite Unterkunft ist nämlich nicht zu empfehlen, laut Isaac. Nach der langen Fahrt gehen wir uns auf jeden Fall erst mal stärken. In einer Kneipe, in der wir die einzigen Gäste sind, kaufen wir uns je ein Bier und gehen dann in das „Restaurant“ nebenan. Es ist eher eine größere Garage mit Essensverkauf. Hinten sind ein paar Tische als Theke und Kochbereich aufgebaut und im vorderen Bereich befinden sich die Sitzplätze für die Gäste. Ich bekomme ein Hühnchengericht mit Kartoffeltalern und etwas Gemüse serviert. Sehr lecker muss ich sagen. Nebenan gönnen wir uns noch ein zweites Bier, bevor es dann ins Bett geht.

Morgens müssen wir früh raus und noch die Formalitäten klären, um in den Nationalpark zu dürfen und die letzten Einkäufe zu machen. Dann geht es los zum Bootsanleger, der uns dann dem Ziel Regenwald etwas näher bringt. Wir haben noch was Zeit, bis unser Boot losfährt und die nutzen wir sinnvoll für ein Frühstück. Dann geht es los mit einem kleinen hölzernen Boot den Rio Tuira entlang bis zu unserer nächsten Station. Die Überfahrt dauert ca. eine Dreiviertelstunde. Dann heißt es erst mal warten, bis uns jemand mit einem Quad abholt. Wieder eine Premiere für mich. Noch nie in meinem Leben habe ich auf so einem Gefährt gesessen. Ich sitze hinten auf der Ladefläche. Auf meiner Seite hängen auch alle Hinweise, was man so nicht machen sollte. Wirklich viele davon haben wir nicht beachtet, darunter zählten auf jeden Fall Fahren ohne Helm und nicht auf der Ladefläche sitzen zum Transport. Nächster Stopp war nach einer relativ kurzen Fahrt, das Zuhause von Isaac. Hatte ich gesagt, meine Unterkunft war einfach in dem Hotel? Ich nehme alles zurück. Die Wohnung hier, die waren wirklich einfach. Aus Holz zusammengeschusterte Hütten mit Wellblechdach, die auf Pfählen standen. Meist nach 3 oder 4 Seiten offen, sodass im Prinzip jeder der wollte, reinschauen konnte. Nicht wirklich viel Privatsphäre. Da ich nur meine Laufschuhe mithatte, lieh mir Isaac ein Paar Stiefel, er meinte, das wäre besser und er sollte recht behalten. Wie hätte es auch anders sein sollen, er kennt sich hier aus und ist hier groß geworden. Zum Glück hatte er noch welche in meiner Größe.

Dann ging es weiter und ich kann nur sagen, das Abenteuer ging hier jetzt erst richtig los. Waren wir vorher noch auf relativ befestigen Waldwegen unterwegs, ging es jetzt richtig in den Regenwald rein. Über Wurzeln, durch kleine Bäche, ein bisschen bergauf, sodass man immer Angst haben musste, dass man jeden Moment runterfällt, wenn man sich nicht richtig festhält. Das gleiche Spiel dann auch wieder runter. Die Wege zum Teil matschig ohne Ende, sodass wir richtig mit unserem Quad geslidet sind und immer wo ich dachte hier geht es nicht weiter, gab es doch immer noch einen Weg, den wir nehmen konnten, der nicht zu eng war oder im dem die Spurrillen noch nicht so tief waren, dass wir anstatt stecken zu bleiben noch weiterfahren konnten. So war ich heilfroh, dass ich das Quad nicht lenken musste, obwohl ich mir dass auch sehr spaßig hätte vorstellen können. Nach einer halben Stunde war die Fahrt vorbei und ich eine tolle Erfahrung reicher. Wir waren an unserer Rangerstation angekommen, in der ich die nächsten zwei Nächte schlafen sollte und von wo aus wir uns in den Dschungel schlagen sollten. Wie das war und was ich da alles erlebt habe, gibt es aber in einem neuen Bericht.

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