Vom Großstadtdschungel in den Regenwald

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Spartanische Unterkunft - Hochbetten und meine AusrüstungWenn ich auch nicht das Quad fahren durfte, so lass ich es mir nicht nehmen, wenigstens darauf mal zu posieren und ein paar Fotos zu machen. Dann geht es auch schon in meine Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Ein Palast! Die Erfüllung aller Träume! Whirlpool, Spa-Bereich, Sterneküche und und und. All das wird mir nicht geboten. 😀 Die Unterkunft sagen wir mal ist einfach. Vier Hochbetten aus Metall, 6 Matratzen, eine Decke mit Styropor Deckenplatten, die mich an meine Schulzeit erinnern (ach die guten alten Asbestpavillons) und kahlen Wänden, die einen Anstrich mal nötig hatten. Kein Kissen, kein Bettbezug und auch keine Bettdecke. Wobei ich vielleicht auch froh sein sollte, wenn die im gleichen Zustand wie die Unterkunft von drinnen gewesen wäre. Ganz schön blöd, dass ich nach dem kurzen Aufenthalt in Deutschland ohne Schlafsack reise. Wäre in dieser Situation schon ganz cool gewesen. Ich suche die mir am wenigsten dreckig erscheinende Matratze aus.

Den Regenwald auf mich wirken lassen

Grün bewachsener RegenwaldDann habe ich noch ein bisschen Zeit mir die nahe Umgebung anzuschauen. Hier ist man wirklich total abgeschieden. Eins mit der Natur. Nur Biolärm, wie meine Freundin so schön sagt. Ich sehe das Ganze etwas entspannter und genieße die Tiergeräusche um mich rum. Wo hat man das schon in unserer Welt, voller Autolärm, Baukrach und von einem Termin zum nächsten hetzend? Ein wenig später breche ich mit Isaac zur ersten Tour auf. Ziel ist ein Wasserfall im Dschungel, der zum Baden einladen soll und von dem man auch runterrutschen können soll.

Auf dem Weg dorthin treffen wir einen Tamarin Geoffroys Affe an. Diese Affenart, mit ihrem schwarzen Gesicht, weißen Bauch, braungescheckten Rücken und weißem Iro habe ich bis jetzt noch nicht gesehen. Die Pfade sind größtenteils natürlich von den Leuten hier schon freigemacht, doch immer mal kommt die Machete von Isaac zum Einsatz, da der Weg schon mal wieder zugewachsen ist. Wege durch schönes, dicht bewachsendes Grün, über Steine, die mit Moos bewachsen sind. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Ein Tempel der Erholung.

Der nasse und rutschige Weg zum Wasserfall

Irgendwann heißt es dann Schuhe aus und weiter durch den Fluss. Nach den Erfahrungen an den Viktoriafällen, wo ich mich ja fast lang gelegt habe und unfreiwillig baden gegangen wäre. Also tapse ich ein bisschen hinter Isaac her. Zwei von der Rangerstation, die etwas später gestartet sind, holen mich sogar noch ein. So sind alle bis auf Isaac, der nicht ins kühle Nass springen möchte, schon in Badehose und bereit schwimmen zu gehen. Ich posiere, bevor es auch für mich in das wirklich kühle Wasser geht, eine tolle Erfrischung, noch mit der Machete von Isaac. Irgendwie passt das zu den Aussagen von zu Hause immer besser, dass ich wie ein wilder aus dem Dschungel aussehe. Mein Bart hört aber einfach nicht auf zu wachsen. 🙂

Abkühlung im Wasser und Funfactor Wasserfall

Ich rutsche den Wasserfall runterDann heißt es aber Schwimmbotz an und rein en dat Wasser. Also warm ist anders. Nachdem ich mich dann an die Temperatur gewöhnt habe, geht es daran, die Wand neben den Wasserfall zu erklimmen, damit die Rutschfähigkeit des Wasserfalls zu testen. Aber erst mal bekomme ich es mit der Rutschigkeit der Steine zu tun, denn nach ein paar Metern ist mein Aufstieg zu Ende und es geht schnell abwärts wieder Richtung Wasser. Sorry Isaac, jetzt geht es für Dich doch ins Wasser. Mit seiner Hilfe weiß ich beim zweiten Versuch, wo ich hintreten und -greifen sollen. Jetzt geht es den richtigen Weg runter. Vom Wasser über die Steine getragen, lande ich nach nur wenigen Sekunden wieder im kühlen Wasser.

Spaß hat es gemacht, also gleich wieder hoch. Warte, wie war der beste Weg jetzt gleich noch mal? Und schon war ich links an der Wand und musst mir einen völlig anderen Weg suchen. Anfangs ging es auch echt besser muss ich sagen, bis ich dann zwar auf der Höhe des Wasserfalls war, aber wie komme ich jetzt von ganz links, ganz rechts rüber. Ich rutsche ein zweites Mal weg, doch diesmal kann ich mich glücklicherweise an einer Wurzel festhalten, die mein Gewicht hält und ich nicht den kompletten Weg auf den Steinen runterrutsche. Ich möchte nicht wissen, wie ich sonst danach ausgesehen hätte. Wieder auf den Beinen, schaffe ich dann doch irgendwie den Weg rüber zum Wasserfall. Bereit für Runde zwei und abwärts, wärts, wärts, wärts.

Der Weg zurück zur Rangerstation und das erste Mal Heimweh

Eule auf einem AstDann heißt es raus aus dem Wasser und den Gang zurück antreten. Dort haben wir noch eine super Aussicht auf eine Eule. Die genaue Bezeichnung des Tieres kann ich leider nicht geben. Ohne Isaac hätte ich auf jeden Fall das wunderbare Tier gar nicht erst gesehen. Was ich auf dem Hinweg und auch auf dem Rückweg auf jeden Fall auch nie gesehen habe, waren die Spinnennetze. Wo Isaac noch locker durchkam wegen seiner Körperlänge, räumte ich dann mit einer unglaublichen Zielsicherheit ab. Für die Spinnen war der Besuch von mir im Regenwald kein erfreulicher Aufenthalt. Die Spinnennetze die sich auf dem Hinweg noch nicht in meinem Gesicht befanden, habe ich mit Sicherheit fast alle dann auf dem Rückweg mitgenommen. 🙂

Im Camp wieder angekommen muss ich den Jungs von der Rangerstation mal zeigen, wie man Domino spielt. Schön in einer Dreierrunde, die Dominosteine auf den Tisch knallen und in den meisten Fällen war der Sieger dann ich. Einfach herrlich. Vor dem Essen kochen dann, mussten wir dann noch eine Ratte aus der Küche scheuchen. Hier würde man sich richtig ekeln, dort war es einem einfach nur egal. Gegen 21:30/ 22 Uhr ging es dann auch ins Bett. Schön das nasse Handtuch auf meinem Bett ausgebreitet, damit ich wenigstens nicht komplett auf der Matratze liegen musste. Es war eine besondere Nacht. Bevor ich einschlief, musste ich das erste Mal so richtig lange und intensiv an Zuhause denken. Das erst Mal Heimweh. So fühlt sich das also an. Irgendwann musste es ja mal passieren. Einen Gedanken daran, die Reise abzubrechen, verschwende ich aber nicht. Dennoch habe ich gut geschlafen, das kann man wirklich nicht anders sagen.

Die Kunst des Vögel entdecken im Regenwald

Papagei im BaumwipfelAm nächsten Morgen geht es dann nach dem Frühstück weiter. Diesmal ging es den Regenwald in eine andere Richtung zu erkunden. Irgendwann meinte Isaac dann auch: Schau da oben in den Baum, da sind Papageien! Also habe ich nach oben geguckt und geguckt und geguckt und ganze 0 Papageien gesehen. Also habe ich Isaac noch mal gefragt, wo denn die Papageien seien und dann hat er mir einen hilfreichen Trick genannt. Ich sollte dahin schauen, wo Früchte aus dem Baum fielen, da die Papageien gerade am Essen waren und tatsächlich konnte ich im ganzen Grün, dann die grünen Vögel erkennen. Ich wäre auf jeden Fall kein guter Guide für Vogelspezialisten, das steht schon mal fest.

Heute bewegen wir uns ein bisschen mehr abseits von den Wegen und versuchen, das ein oder andere Tier zu sehen, die sich mehr im Inneren des Regenwaldes aufhalten. Wir sehen in der Nähe von einem Baum einen Kolibri, der durch die Luft um den Baum tänzelt. Jetzt sehen wir auch mehr und mehr prachtvolle Blumen, den ein oder anderen kleinen Frosch und natürlich dürfen die Spinnen nicht fehlen.

Die letzten Impressionen des Regenwalds

Impressionen aus dem RegenwaldAn einem Baumstamm angekommen, der quer über dem Weg liegt, verabschiedet sich Isaac dann mal kurz in die Büsche, so seine Aussage und dann heißt es warten, warten und noch weiter warten. Es dauert bestimmt eine halbe Stunde, bis er wieder kommt. Ich bin schon immer drauf und dran ihm hinterher zu laufen und ihn zu suchen aber dann würde ich bestimmt nie mehr aus dem Regenwald finden. Er hatte wohl auf dem Weg Vogelstimmen gehört und ist dann noch auf die Suche gegangen. Naja ein bisschen blöd war das natürlich schon. Dadurch konnten wir dann auch nicht weiter in den Regenwald rein, sondern mussten umkehren, denn wir wollten später noch den letzten Weg erkunden.

Hier fällt mir etwas an den Pflanzen aus, was wie ein großer Spuckball aussieht. Dies wird von Schaumzikade erzeugt. Auf einem Baum sehen wir noch mal eine riesige Straße von Blattschneiderameisen. Die Natur begeistert mich auch wieder an diesem Tag und wir dummen Menschen zerstören soviel davon. Wir sehen auch noch mal Papageien, die oben im Baumwipfel sitzen und wieder etwas essen. Dann heißt es aber leise Abschied nehmen vom Regenwald. Laut Isaac gibt es in dem Gebiet, in dem wir uns befinden nicht mehr viel zusehen. Daher hatte ich mich entschlossen, mit ihm an meinem letzten Tag ein Kuna-Dorf zu besuchen und auch da zu pennen. Von dem Aufenthalt und auch dem Weg dorthin erzähle ich aber erst nächstes Mal.

 

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