Rückblick auf Afrika

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Update: Mit dem Bericht können keine Rückschlüsse auf ganz Afrika gezogen werden. Ich bin lediglich in 3 Länder gewesen und die Länder auf dem Kontinent sind so verschieden, dass man hier keine Verallgemeinerung machen kann. Es ist einfach eine persönliche Zusammenfassung, was ich auf der Reise erlebt habe. Selbst für ein korrektes Gesamtbild von einem der Länder, die ich besucht habe, war die Zeit zu kurz.

Nach mehr als 3 Monaten Afrika möchte ich ein Fazit ziehen über das was ich in Afrika gesehen und erlebt aber auch was ich dadurch gelernt habe.

Afrika, ein Kontinent mit tollen Landschaften, atemberaubender Tierwelt, die man erleben kann, eine interessante und ereignisreiche Vergangenheit und freundlichen offenen Leuten. Das ist aber nur die eine Seite. Ich habe u.a. aber auch Kuroption, Menschen, die den Städten und Dörfern um ihr Überleben kämpfen, teilweise hohe Umweltverschmutzung und ein rückständiges Frauenbild in der Gesellschaft gesehen. Selbst wenn ich es nicht selber mitbekommen habe, so sind auch Bürgerkriege in einigen Ländern an der Tagesordnung, worunter viele unschuldige Menschen leiden müssen. Ich möchte nicht auf alle Sachen im Detail eingehen und kann auch nicht von mir behaupten, dass ich Experte in einem dieser Gebiete bin. Ich möchte einfach aus meiner Erfahrung heraus sprechen. Vielleicht seid ihr anderer Meinung. Sollte das so sein, seid ihr herzlich eingeladen diese kundzutun.

Die Uhren ticken in Afrika noch etwas anders. Das war mir vorher sicher schon klar, aber es ist doch immer noch was anderes, wenn man es selbst und hautnah erlebt. Man kann nicht erwarten, dass die Länder, die jetzt erst etwas mehr als 50 Jahre unabhängig sind (gilt nicht für alle Länder), eine Entwicklung in dieser Zeit durchgemacht haben, dass sie auf dem Stand sind, wie wir es von unserer Heimat gewohnt sind. Schnell bin ich in der „anderen Welt“ angekommen. Der Flughafen, auf dem ich Lande, gleicht einem Flughafen für Hobbyflieger hier in Deutschland. Ich musste immer mit Stromausfällen leben und das am Anfang in Sambia täglich. Das Leben funktioniert trotzdem in den Ländern und die Leute sind glücklich und machen das Beste aus ihrer Situation. Die kleinen Kinder bleiben mir hier besonders in Erinnerung, wie sie mit ihren aus Milchtüten gebastelten Autos, Stolz wie Bolle durch die Straßen rennen oder einem Deckel befestigt an einem Stock vor sich hertreiben. Not macht halt erfinderisch.

So faszinierend die Lebensweise ist, so erschreckend ist sie manchmal auch auf der anderen Seite. Es gibt nämlich einige Leute, die einfach in den Tag reinleben und ich mich immer gefragt habe, wie funktioniert das bitte? Die Deutsche Strebsamkeit sucht man hier, zumeist auf jeden Fall, vergebens und auch ich muss den Leuten manchmal in den Arsch treten, damit sich was bewegt, in meiner Zeit, wo ich arbeite. Trotzdem würde uns zumindest ein bisschen der Gelassenheit, der Leute aus Afrika, nicht so schlecht zu Gesicht stehen, da in Deutschland doch einiges sehr verkrampft und zu Ernst ist für meinen Geschmack. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft z.B., die mir in den Ländern, die ich besucht habe entgegengebracht wurde, ist etwas, was hier in Deutschland meines Erachtens stark verloren gegangen ist. Das spiegelt natürlich nur meine Meinung wieder. Fremde Leute haben mir oft einfach ihre Hilfe angeboten und das ohne komisch zu gucken und zu hinterfragen, wie sie davon profitieren.

Die Dankbarkeit, die mir, auch für viele kleine Dinge, entgegengebracht wurde, war atemberaubend. Viele können sicher hier nicht mehr über kleine Dinge freuen, es muss immer das Neuste, Größte und Beste von allem sein anstatt mal mit weniger zufrieden zu sein. Auf der Zugfahrt von Sambia nach Tansania haben wir an Kinder z.B. Stifte und Bananen verteilt, während unserer Stopps. Die Kinder sind vor Freude teilweise ausgerastet. Ich denke auch gerne an Pastor Bugota zurück, der sich vor Freude nicht mehr eingekriegt hat, als ich ihm meine Mailadresse gegeben habe und ihm, sollte er mal nach Deutschland kommen ein Schlafplatz in meiner Wohnung angeboten habe (dabei fällt mir auf, dass ich mich mal bei ihm melden müsste).

Neben den Leuten habe ich aber auch eine tolle faszinierende Landschaft und Tierwelt kennengelernt. Auch wenn die Landschaft nicht immer grün war, der Trockenzeit verschuldet, so hat sie einen trotzdem in den Bann gezogen. Die Weiten des Kariba Lake, der durch einen Staudamm entstanden ist, die Viktoriafälle, der Kilimandscharo oder die tollen Strände auf Sansibar mit dem türkisfarbenen Wasser, um nur ein paar Dinge zu nennen. Die Länder haben einiges zu bieten. Doch trotz dieser Schönheit muss man auch den Finger in die Wunde legen und auch mal auf die Dinge eingehen, die nicht so gut funktionieren. Leider wissen nicht alle die Schönheit der Natur zu schätzen und zerstören diese leider. So kommen mir die Bilder von Lusaka in den Kopf, eine Stadt, die total verdreckt ist. Hier wird alles weggeworfen und egal wo hin und das ist leider keine Ausnahme. Leider scheint es denn Leuten nicht klar zu sein, was sie ihrem Land und der Natur damit antun. Das zeigt auch die Aussage von einem meiner Taxifahrer, den ich, nachdem er Müll einfach auf die Straße geworfen hat, angesprochen habe, warum er das denn macht. Seine Antwort lautet „Das macht doch jeder hier.“. Weiterer negativer Aspekt war, dass die Leute durch Niederbrennen ihrer Felder weitaus mehr zerstören als sie positives Bezwecken, was sie zumindest denken. Dann durch das abbrennen, zerstören sie nicht nur den kostbaren Boden, sondern zerstören auch viele Wälder nah an ihren Feldern gelegen. Ich bin selber dabei gewesen, wie wir Feuer bekämpft haben, um z.B. eine Schule zu retten. Auch konnte ich nur mit dem Kopfschütteln, dass Einheimische auf dem Mt. Meru einen kompletten Landstrich verbrannt haben, nur weil sie sauer auf die Regierung waren. Ich kann die Leute verstehen, so was man alles gehört hat, aber so was ist natürlich keine Lösung.

Wie schon eben erwähnt, war die Tierwelt auch atemberaubend. Elefanten, Affen, Giraffen, Nashörner (wenn auch sehr weit weg), Büffel und unzählige Tiere mehr sind mir begegnet, die ich vorher eigentlich nur aus dem Zoo kannte und hinter Gittern. Hier laufen sie an einem ein paar Meter entfernt einfach vorbei. Teilweise wusste man gar nicht, wohin man zuerst schauen sollte. Die tierischen Highlights waren sicher, die Elefanten auf der Kanusafari, die kämpfenden Flusspferde und natürlich die Meeresschildkröten, die ich einen Monat mit gepflegt habe. Völlig unverständlich, wie sich Leute aber z.B. am Strand Hausaffen hielten, die angekettet dann als Touristenattraktion galten, das ging für mich mal gar nicht.

Auf einen letzten Punkt möchte ich noch mit der Korruption eingehen, der den Leuten sehr zu schaffen macht, nicht nur in den Ländern, die ich besucht habe auch sicher in den Nachbarländern. Leider musste man erfahren und oft auch von den Einheimischen hören, dass die Regierung in den Ländern nur auf den eigenen Profit aus ist und die Leute im eigenen Land der Regierung total egal sind. In Sambia z.B. waren viele Landstriche total verwaist, da sich niemand darum gekümmert hat. Besitzer sind meist hohe Tiere in der Regierung, die kein Interesse daran haben, die Landschaften zu bewirtschaften, geben diese aber auch nicht an die Bevölkerung ab. Oder trotz Strommangels werden Teile des Stroms dennoch an Nachbarstaaten verkauft. Viele Leute mit denen ich gesprochen haben ,wollen eine Änderung, doch durch Bestechung und Wahlmanipulation wird es den Verantwortlichen an der Spitze des Landes zu einfach gemacht an der Macht zu bleiben. Eine Sache, die aber wohl das Land auf eigene Faust regeln muss.

Ich könnte hier noch auf so viele Dinge eingehen, wie die am Anfang erwähnte Stellung der Frau in der Gesellschaft, die fehlende Schulbildung oder auch wie reiche Länder vermeintlich was Gutes tun für die Entwicklung von Afrika, wenn man jedoch genau hinschaut, die Länder und Arbeitskräfte nur ausnutzt. Gott sei Dank sind nicht alle Firmen und Projekte so, was ich bei der Arbeit in Konti Eden erfahren durfte. Wo den Leuten echtes Wissen vermittelt wurde, welches sie auch selber anwenden können, bei sich im Heimatdorf. Würde ich auf diese Dinge aber noch eingehen, würde der Artikel bestimmt doppelt oder dreifach so lang werden und das will ich Euch nicht antun. 😉

Eine Bitte noch, wenn Ihr nach Afrika reist, gebt den bettelnden Leuten kein Geld. Ich weiß, dass es nicht leicht ist hier nein zu sagen und ich musste das auch erst lernen aber ihr helft den Leuten damit nicht und löst auch nicht ihre Probleme. In den meisten Fällen wird das Geld für Alkohol umgesetzt. Also, wenn ihr wirklich was Gutes tun wollt, gebt den Leuten was zu essen oder Alkoholfreies zu trinken.

Wenn ich aber so auf meine Zeit in Afrika zurückblicke und diese Zeilen so schreibe, bekomme ich wieder ein wenig Fernweh. Ich würde auf jeden Fall diesen Kontinent wieder besuchen, um alte Bekannte wiederzusehen aber auch noch neue tolle Länder und Menschen auf dem Kontinent kennenzulernen. Gerne würde ich auch meinen Beitrag dazu leisten, damit es den Leuten dort besser geht, ohne das sie ihre wahre Identität, ohne ihre Kultur, die die Länder ausmacht, verlieren. Afrika Du warst eine Reise wert. Africa uko ajabu (das heißt hoffentlich „Afrika Du bist wunderbar“).

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