Kilimandscharo – das Dach von Afrika besteigen (04.10-07-10.2015)

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Fußballspiel zwischen Polizei und Militär
Fußballspiel zwischen Polizei und Militär

Bevor es mit dem Kili losgeht, steht noch ein Ruhetag an. Paul zeigt mir ein bisschen, was Arusha zu bieten hat. Wir gehen am Fußballstadion vorbei, welches ich dann später noch besuchen sollte. An dem Tag spielt die Polizei gegen das Militär. Dann geht es aber weiter zum Massaimarket. Hier bieten die Einheimischen eine Menge an Kunstwerken an. Außerdem sehe ich noch die Freiheitsfackel bzw. eine Nachbildung. Diese wurde auf dem Kilimandscharo entzündet, um die Unabhängigkeit von Tansania zu feiern.

Fußball im Sheikh Amri Abeid Memorial Stadium

Mit Nickson gehe ich dann zum besagten Fußballspiel. Da es nur ein Freundschaftsspiel ist, findet dieses nicht wirklich großes Interesse bei den Bewohnern von Arusha aber das macht ja nichts. Alles ist hier ein bisschen lockerer und man kann sich frei im Stadion bewegen, hat freie Platzwahl und viele der Zuschauer kommen wirklich wann sie wollen. Die wirklich wichtigen Personen dürfen sogar in das Stadion reinfahren. Das Spiel selbst ist wenig ereignisreich in der ersten Hälfte und hat neben einem Lattenknaller nicht viel zu bieten. Die zweite Hälfte wird ein bisschen besser, aber auf beiden Seiten werden die wenigen Großchancen so weit vergeben. Als ich mich schon auf ein 0:0 eingestellt hatte, knipste der Stürmer der Polizei doch noch, was für einen Jubelsturm bei den wenigen Supportern sorgte. Für den Rest der Party stand der Torhüter des Militärs im Mittelpunkt, der wohl hauptberuflich Schauspieler ist, denn er bietet eine bühnenreife Show dar. Letztendlich bleibt es beim Endstand von 1:0.

Letzte Vorbereitungen für den Kili und eine unruhige Nacht

Dann heißt es aber schnell zur Unterkunft, denn auch für mich stehen noch ein paar Vorbereitungen für den Kilimandscharo an. Die Tasche ist so weit schnell gepackt, weiß ich ja, was alles mit muss, durch die Tour auf den Mt. Meru. Diese Liste musste nur noch mit ein paar Sachen ergänzt werden. Abends gehe ich dann noch mit Paul essen, um letzte Details zu besprechen. Es gibt Chips Mayai, ein Fehler, wie sich später noch rausstellen sollte.

Erste Etappe am Kili durch den Regenwald
Erste Etappe am Kili durch den Regenwald

Denn die Nacht verläuft ganz anders als geplant nicht ruhig, erholsam im Bett, sondern auf dem Klo. Irgendwie sind die Chips Mayai meinem Magen nicht wirklich gut bekommen und so kämpfe ich mit Durchfall und das ausgerechnet vor der großen Tour. Die Gedanken schnellen durch den Kopf, was wenn es schlimmer wird oder der Durchfall nicht weggeht? Soll ich den Start noch mal verschieben? Aber eigentlich ist doch schon alles geplant, alle Helfer wissen Bescheid.

Los geht zum Startpunkt des nächsten Bergabenteuers

Irgendwie siegt der letzte Gedanke und so geht es auch wenn etwas später als geplant mit dem privaten Dalla Dalla Richtung Kilimandscharo. An einer Tanke, an der wir kurz Rast machen, treffen ich auf einen alten Bekannten, Ray. Dieser ist auch auf dem Weg zum Kili, allerdings macht er nicht wie ich die Machame Route. Nach einem kurzen und netten Small Talk geht für mich die Reise weiter. Wir erreichen das Gate. Hier soll also alles beginnen. Sechs Tage auf dem Weg zur Spitze des höchsten Bergs Afrikas und zurück.

Eine weitere Bekannte wartet hier auf uns, Katrin aus der Schweiz. Ebenfalls mit mir auf dem Mt. Meru. Immer wieder trifft man sich die Tage auf dem Weg nach oben und unten. Nach dem alle Formalitäten geklärt sind, geht es endlich los. Diesmal müssen wir auf keinen Ranger warten, da trotz eines großen Bereiches an Regenwald, hier nicht wirklich viele Tiere und vor allem keine gefährlichen Tiere unterwegs sind. Pünktlich zum Start setzt auch der erste Regen ein. Na toll, kann es eigentlich noch schlechter laufen? Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass ich mich oder mein Guide sich verletzt und wir schon am Anfang aufgeben müssen. Das passiert Gott sei Dank nicht.

Erleichtert und etwas entkräftet wird die erste Etappe beendet

Die letzte Nacht steckt mir aber noch irgendwie in den Knochen. Ich bin nicht ganz so fit und ausgeruht, wie ich es gerne hätte. Jetzt gibt es aber kein zurück mehr und einfach so aufgeben, kommt für mich auch nicht infrage. Hey es sind 6 Tage, wäre doch gelacht, wenn ich nicht wieder gesund werde. Am ersten Tag sind auf jeden Fall erst mal 1.250 Höhenmeter zu überwinden. Es geht also direkt in die Vollen. Immer wieder am Wegrand sehen wir das Kilimandscharo-Springkraut, dass Ähnlichkeit mit einem Elefantenrüssel hat. Im Laufe des Tages legt sich der Regen dann zu unserer Freude wieder und es wird gut warm. Jetzt kann ich auch ein bisschen mehr die Landschaft genießen. War der Pfad am Anfang noch schön breit, so verengt er sich jetzt immer mehr. Man wird quasi immer mehr vom Urwald verschluckt. 🙂 Der Regenwald nimmt jedoch zu unserem ersten Camp immer weiter ab und weicht einer Moorlandschaft. Glücklich und auch erschöpft erreiche ich nach 6-7 Stunden die erste Station. Es ist geschafft, Ziel nur 1 ist abgehakt. Jetzt heißt es nur noch die Mahlzeit zu sich nehmen und dann ab ins Bett, Kräfte für den neuen Tag sammeln.

Das Wetter spielt mit, mein Magen nicht immer

Paul und ich posieren vor dem Mili
Paul und ich posieren vor dem Kili

Neuer Tag, altes Leiden. Der Magen spielt immer noch wirklich mit, doch Paul beharrt darauf, dass ich was essen muss. Schließlich muss mein Körper ja irgendwie zu Energie kommen. Dieser hat aber erst mal andere Pläne und diese heißen alle Nahrung muss erst mal raus, und zwar so wie sie reingekommen ist. Paul findet aber auch daran etwas Gutes „Jetzt sind alle giftigen Stoffe raus“. Hoffentlich sollte er recht behalten. Es kriecht auf jeden Fall immer wieder der Gedanke hoch, ob ich nicht doch etwas zu früh gestartet bin. Zumindest kehrt ein bisschen das Lächeln in mein Gesicht zurück.

Das Wetter ist heute auch etwas freundlicher und wir werden von Sonnenstrahlen empfangen. Die heutige Tour führt uns auf 3.845m zum Shira Camp. Es wird wesentlich steiler als am ersten Tag und auch felsiger. So müssen immer mal wieder größere Felsbrocken „erklommen“ werden. Der Weg bietet immer wieder einen wunderschönen Ausblick auf den Gipfel des Kilimandscharos oder auch das vorherige Ziel, den Mt. Meru. Die Vegetation nimmt immer weiter ab bzw. weicht kleineren Gewächsen. Der Weg wird immer schmaler und felsiger und die Anstrengung ist spätestens jetzt zu merken. Es ziehen von Zeit zu Zeit auch immer mal wieder Nebelfelder auf, die die Sicht erschweren. Dann endlich wird der Blick freigegeben auf das Camp. Nur noch wenige Meter und Tag 2 hat auch ein Ende, zumindest fast.

Imodium Akut versagt – Ingwer-Knoblauch-Tee als neues Allheilmittel

Denn es steht noch eine kleine Akklimatisationstour an. Fürs Erste bin ich aber froh das Camp erreicht zu haben und mich ein bisschen auszuruhen. Paul lässt auch nichts unversucht, um mich wieder auf die Beine zu bekommen. Er packt ein Mittel aus, was ich so noch nicht kannte, und zwar Ingwer-Knoblauch-Tee. Klingt nicht lecker, ist es auch nicht. 😀 Trotzdem kann ich es nur bei Magenproblemen empfehlen. Mir hat es letztendlich geholfen wieder gesund zu werden. Ein Tee pro Tag sollte reichen und aufgrund des nicht so berauschenden Geschmacks kommt wohl keiner in die Versuchung davon täglich mehr zu trinken. Außerdem sollte man keine Leute in seiner Nähe haben, die man gerne hat. Die Blähungen, die der Tee verursacht, sind wirklich aus der Hölle. 😀 Was tut man aber nicht alles, damit es einen besser geht.

Fröhliche Gesänge und Besichtigung alter Schlafplätze

Zurück aber zu der Bergtour. Es steht ja noch die Akklimatisation. Wir starten ein bisschen später als geplant aber ich musste unbedingt noch ein Video machen von einer anderen Gruppe, die Lieder zum Besten gaben. Sehr cool und ich hätte am liebsten mitgemacht, wollte mich aber nicht einfach in die Gruppe drängen. Danach gehe ich ausnahmsweise Mal nicht mit Paul hoch, sondern mit seinem Bruder und Jacob. Cosmos legt ein Tempo vor, als wäre er mit anderen Portern unterwegs und ich muss ihn erst mal bremsen. Mit gemächlichem Tempo geht es dann auf ca. 4.000m Höhe. Hier verweilen wir ein bisschen bevor es zu den Shira Höhlen geht. Hier haben früher die Leute übernachtet, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Doch da es zu gefährlich wurde und auch immer mehr Leute den Berg besteigen wollten, wurden das Schlafen in den Höhlen eingestellt und sich mehr auf Zeltcamps konzentriert. Die Höhlen waren auch eher was für kleine Menschen. Ich hatte nur einen Punkt, wo ich stehen konnte und da hätte ich mitten im Feuer gestanden. 😉 Dann heißt es ready for Dinner und Schlafenszeit.

Auf zum Lava-Tower – Das Wetter wird langsam ungemütlicher

Der nächste Morgen ermöglicht mir und natürlich auch den anderen Bergsteigern einen traumhaften Ausblick auf den Mount Meru. Nach einem Frühstück und einem schnellen Gruppenfoto, sowie einer Sing- und Tanzeinlage geht es weiter mit der Wanderung. Der Hunger kommt auch so langsam wieder. Es geht zum Barranco Camp, dass auf 3.960m liegt. Was? Werdet ihr Euch jetzt vielleicht fragen. Das sind ja nur 115m mehr als das aktuelle Camp. Ihr habt recht aber es geht erst mal auf 4.430m auf den Lava-Tower, bevor es der Weg dann wieder runter zum Camp verläuft. Klingt komisch, ist aber so und dient der besseren Akklimatisierung. Die Route wird immer felsiger und nur noch wenig grün ist zu sehen. Mein Lächeln ist jetzt endgültig zurück und bei einer kurzen Pause kann ich vor dem Kili schon mal posieren.

Das Wetter ist am Anfang noch wirklich traumhaft schön und die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite. Je näher wir aber dem Lava Tower kommen, desto mehr zieht der Nebel und die Wolken hoch und machen einen Blick in die Ferne unmöglich. Es wird auch gleich wieder etwas kühler, was natürlich auch der steigenden Höhe zu zurechnen ist. Während wir, wie gesagt, weiter zum Lava Tower hinaufsteigen, dürfen die Porter die Abkürzung und somit den direkten Weg zum Barranco Camp nehmen. Der Nebel wird mittlerweile immer dichter. Durch das Besteigen des Mt. Meru habe ich mit der Höhe von 4.430m eigentlich keine Probleme und klage auch nicht über Kopfschmerzen.

Abstieg zum Barranco Camp – unser Ziel für heute

Der Abstieg zum Barranco Camp steht also noch an und somit eine wieder etwas grünere Vegetation, ist zumindest zu erahnen, da der Nebel jetzt so dicht ist, dass man von der schönen Landschaft leider nicht mehr so viel wahrnimmt. Ich wandere mit Paul vorbei an Riesenkreuzkräutern, Gräsern, Strohblumen und Lobelien. Ab und zu führt uns der Weg auch durch kleine Bäche, die durch den schmelzenden Gletscher entstehen. Nach gut 7 Stunden haben wir es dann wirklich geschafft und sind bei unserer Basis angekommen, die von Nebelbänken umzingelt ist. Paul erzählt immer von der schönen Aussicht, die man von hier hat, wovon ich aber nichts wissen will, da ich mir leider selber kein Bild davon machen kann wegen des Nebels. Für kurze Zeit bricht die Sonne dann aber doch mal durch und ermöglicht uns einen Blick auf den Start der morgigen Etappe, die Great Barranco Wall auch „Breakfast“ genannt. Hier darf sicher wieder ein bisschen geklettert werden. Dann erobert der vom Tal kommende Nebel wieder das Camp so langsam für sich zurück.

Ich bin wieder hergestellt – Zuerst gilt es die Great Barranco Wall zu besteigen

Tag 4 startet mit einem Ausblick auf dem Gipfel des Kibos und hey, tatsächlich ist es möglich mal ins Tal zu schauen. Mittlerweile bin ich auch wieder im Besitzer meiner vollen Kräfte, würde ich sagen und der Hunger ist auch wieder zurück. Es schmeckt mir wieder. Sollte also doch gelacht sein, wenn ich den Gipfel nicht stürmen kann. Das Ziel des heutigen Tages liegt auf 4.640m. Beim Erreichen habe ich einen neuen Bestwert an Höhe. Da ich mich für die 6 Tage Tour entschieden habe, gibt es später nur einen Stopp im Karanga Camp. Hier übernachten die Leute, die einen 7 Tage Trip geplant haben.

Doch erst mal heißt es die Great Barranco Wall in Angriff nehmen. Leider hält sich das schlechte Wetter und ich starte mit Regencape, was die Sache nicht leichter macht, da nun die Felsen rutschiger sind und es heißt besonders aufzupassen. Irgendwie fühle ich mich bei dem Aufstieg auch immer mal wieder ein bisschen ans Bouldernerinnert, was ich irgendwann mal wieder angehen müsste. Immer wieder muss ich die Trekkingstöcke beiseite nehmen, um an den Felsen vorbeizukommen oder auch für manche Auf- und Abstiege von Felsen. Regen und Trockenphasen wechseln sich immer wieder ab. Laut meinem Reiseführer hat man auf dem Weg nach der Great Barranco Wall einen wunderschönen Ausblick auf den Kili. Für uns ist er leider nur schemenhaft zu erkennen durch den Nebel.

Es wird kalt und am Ende bin ich auch nass bis auf die Haut

Die Temperaturen sind mittlerweile so kalt, dass es nicht mehr ohne Handschuhe geht. Am Karanga Camp wartet eine riesige Schüssel Pommes auf mich, die zur Stärkung dienen soll. Die ist auch bitter nötig, denn es folgen noch 3-4 Stunden Wanderung, bis das Tagesziel erreicht ist. Der Regen wandelt sich auf dem Weg hin zum Barafu Camp immer mehr zum Schneeregen, durch wir uns kämpfen müssen. Irgendwann versagt dann auch die Wasserfestigkeit meiner Hose, da es einfach zu viel Regen und Schneeregen für sie ist. Das Regencape hält wenigsten den Rest meiner Kleidung trocken. Nicht wirklich die besten Bedingungen und so kann man auch ab und zu mal die gute Laune ein bisschen verlieren.

Paul macht aber weiter unaufhörlich Fotos und Videos mit meiner GoPro. Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit sehen wir endlich das Camp. Es geht noch mal ein neuer Motivationsschub durch einen und man mobilisiert noch mal ein paar mehr Kräfte. Wenig später erreiche ich dann auch das Camp und jetzt heißt es warten, denn Paul muss im dichten Nebel erst mal unseren Zeltplatz finden. Ich treffe an der Basisstation aber auf Ray und so wird die Wartezeit wenigstens etwas verkürzt. Ich will trotzdem nur noch raus aus den nassen Klamotten. Für die Nacht heißt es warm einpacken, denn hier werden mit Sicherheit die Temperaturen untern den Nullpunkt sinken. Außerdem lege ich mir schon mal alle Sachen parat, die ich für den Aufstieg in der Nacht benötige. Die Klamotten kommen zu mir in den Schlafsack, um diese einfach zu wärmen, damit ich nicht in die eisig kalten Sachen steigen muss. Dann heißt es früh die Augen zu machen, denn es wird sicher ein anstrengender nächster Tag.

Die Gipfelbesteigung und den Abstieg gibt es dann in einem neuen Bericht.

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