Hochzeit African-Style (17.10.2105)

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Die Kirche der Trauung
Die Kirche der Trauung

Früh morgens kommt Paul vorbei, um mein Geschenk zu verpacken, da er so selbstbewusst klang, bin ich davon ausgegangen, dass er mehr Erfahrung darin hat als ich. Wenig später wusste ich, Paul packt die Geschenke ähnlich gut oder schlecht ein wie ich, je nachdem wie man es sehen will. Dann verabschiedet er sich bis 14 Uhr. Wenigstens an dem Tag, dachte ich, wird er schon pünktlich kommen aber es dauerte dann doch bis ca. halb drei, bis er auf der Matte stand. Jetzt schnell zur Dalla Dalla Station und auf zur Hochzeit. Die richtige Station zu finden, wo wir aussteigen mussten, war kein Problem. doch wo war die Kirche gleich noch mal? 😀 Ich, der sowieso keine Ahnung von dem Gebiet hatte, Paul und zwei weitere Hochzeitsgäste laufen erst mal drauf los, bis wir jemanden treffen, den wir mal nach dem Weg fragen können. Letztendlich finden wir die richtige Kirche und die Trauung hat noch nicht angefangen.

Trauung des Brautpaars

Das Brautpaar gibt sich das Ja-Wort
Das Brautpaar gibt sich das Ja-Wort

Die Tradition, dass der Bräutigam die Braut nicht vor der Hochzeitsmesse sehen darf scheint es hier nicht zu geben. Dann stellen sich auch schon die Brautpaare auf, denn es heiraten noch weitere drei Paare an selben Tag. Überraschenderweise bin ich der einzige Weiße in der Kirche. 😉 Was mir auffällt, ist das die beiden Hauptpersonen nicht so richtig strahlen können. Warum weiß ich nicht, es wirkt aber nicht so als stehe eins der schönsten Ereignisse für ihre gemeinsame Zukunft bevor. Die Messe kommt dem Stil unserer Messen sehr nahe. Nur die Musik ist doch ganz anders und viel lebendiger. Ich hätte jedoch mit mehr Abweichungen gerechnet. Was mir jedoch auch aufgefallen ist, dass es das „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ hier anscheinend nicht gibt. Nach der Trauung geht es zum obligatorischen Fotomarathon vor der Kirche. Ich werde gedrängt auch ein Foto mit dem Brautpaar zu machen und lasse mich dann irgendwann doch breitschlagen. In dem Moment müssen sich die beiden auch nur gedacht haben: „Wer zum Teufel ist dieser weiße, bärtige Mann?“

Nach der Hochzeit darf gefeiert werden

Es darf das Tanzbein geschwungen werden
Es darf das Tanzbein geschwungen werden

Von der Kirche geht es dann weiter zur Location, wo die Feier dann stattfinden soll. Alles ist hier was bunter als bei uns und für das Brautpaar und deren Trauzeugen ist auf einem Podest ihre Sitzgelegenheit aufgebaut. Ab hier läuft dann alles ein bisschen anders ab. Ein Moderator nimmt das Heft in die Hand und leitet durch den ganzen Abend. Von dem Brautpaar noch keine Spur. Also wird erst mal ein bisschen getanzt. Ich halte mich hier eher noch was zurück. Dann ist es so weit, zuerst ziehen die Blumenmädchen und Blumenjungs ein und legen eine Tanzperformance hin. Nach und nach werden die wichtigsten Personen hereingerufen. Als Letztes erscheint das Brautpaar und es darf weitergetanzt werden.

Aber nicht zu lange, denn der nächste Programmpunkt steht auf dem Plan. Das Brautpaar hat zur Hochzeit u.a. 4 oder 5 Flaschen Champagner gekommen, die sie jetzt mithilfe der Gäste leeren müssen. Alle Gäste kommen dann nach und nach vor, um mit dem Brautpaar anzustoßen. Kurz darauf werden zwei Lämmer hereingeschoben, die Teil des Buffets sind. Mit dem Lammfleisch müssen sich Braut und Bräutigam gegenseitig füttern. Keine Ahnung, ob das einen speziellen kulturellen Hintergrund hat. Dann geht es langsam zum Hochzeitsessen über. Wurde auch langsam Zeit, denn mein Magen konnte jetzt echt etwas zu essen vertragen. Ich hau mir den Teller mit Hühnchen, Lamm, Kartoffeln, Bohnen, Erbsen und Möhren, Reis und Spinat voll. Ich genieße auf jeden Fall das Essen.

Mittendrin beim Tanz der Chagga und später heißt es „Rhythm is a dancer“

Anschließend geht es weiter mit dem Programm. Die auftretenden Gäste lassen keine Gelegenheit aus mich irgendwie noch in ihre Vorführung einzubinden. Wer jetzt denkt, ich musste sonst was für Dinge tun, den muss ich enttäuschen. Ich musste immer nur mal was Kurzes sagen, wenn ich angesprochen werde. Als es zu einem traditionellen Tanz der Chagga kommt, werde ich aufgefordert mitzumachen und ein nein wäre mit Sicherheit nicht akzeptiert worden. Es ist aber auch nicht meine Art dann hier abzulehnen. Allzu schwer ist der Tanz dann auch nicht und ich muss später nicht meine Beine entknoten. Die Fotos davon sind aber leider sehr unscharf geworden, so dass es keine Beweisfotos davon gibt (Puh nochmal Glück gehabt ;)). Was bleibt ist also die Erinnerung daran.

Später kommt es dann zur Geschenkübergabe und ich glaube, dass die Braut jetzt für ihr Leben lang kein Chitenge mehr kaufen muss. Entweder ist das hier so Tradition oder es waren alle gleich kreativ wie Paul und ich. Nach dem Ende des offiziellen Programms wird die Tanzfläche wieder freigegeben und die Hochzeitsgäste und ich tanzen zu „Rhythm is a dancer“ oder auch „We are family“ durch den afrikanischen Hochzeitsabend. Gegen halb zwölf oder zwölf ist die ganze Feierlichkeit dann vorbei. Irgendwie komisch, hätte ich doch damit gerechnet, dass die Leute hier die Nacht zum Tag machen. Dem war dann aber nicht so.

Der Blick geht langsam nach Sansibar

Es hat aber auch gereicht und ich bin froh, dass mir Paul das Ganze ermöglicht hat und ich an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte. Eine Erfahrung, die man auch nicht bei jedem Afrika-Urlaub macht. Jetzt habe ich schon eine Hochzeit in Mittelamerika, Afrika und natürlich mehrere in Deutschland erlebt, fehlt nur noch Australien und Asien oder, wenn man Amerika in Nord- und Südamerika aufteilt, noch eine Hochzeit im südlichen Teil Amerikas. Also Leute gebt Euch einen Ruck, ich will Hochzeitseinladungen von den Kontinenten. 😀 Der 18.10 ist dann noch mal ganz relaxt und es passiert nicht viel Aufregendes. Abends gebe ich Paul noch mal als Dankeschön für die tolle Zeit ein Essen und die Getränke aus. Am 19.10 geht es dann weiter nach Sansibar. Die letzte Station meines Afrika Aufenthalts. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Fast zwei Monate liegen jetzt schon hinter mir.

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